Android Automotive: Das neue Infotainment-System von Google

01.12.2021 11:32 Von Lukas

Jacob Viertel

Jedem von uns ist Android ein Begriff. Manche benutzen das Betriebssystem sogar tagtäglich. Am bekanntesten ist es wohl als Software-Plattform für Smartphones, Tablets oder Fernseher. Bei Android Automotive basiert das Betriebssystem eines Autos auf Android. Diverse Infotainment- und Komfortfunktionen, wie die Wiedergabe von Musik oder dem Einstellen der Klimaanlage, lassen sich somit über das fahrzeuginterne Android-System steuern. 

Gibt es mit Android Auto nicht bereits eine Google Infotainment-Plattform fürs Fahrzeug?
Mit Android Auto gibt es zwar bereits ein vergleichbares System aus dem Hause Google, womit sich das Infotainment steuern lässt, jedoch basiert der Board-Computer nicht auf dem Betriebssystem von Google.  Mit Android Auto lassen sich lediglich Android-Apps über das verbundene Smartphone im Fahrzeug verwenden. Somit ist Android Auto nicht ohne Smartphone zu bedienen. Das Nachfolgeprodukt Android Automotive ist ein eigenständiges Betriebssystem, bei dem kein Smartphone im Fahrzeug zur Bedienung notwendig ist.

Warum ein zusätzliches Betriebssystem?
Große Fahrzeughersteller wie BMW oder Mercedes haben mit BMW Connected und Mercedes MBUX bereits ihre eigenen Betriebssysteme. Doch diese Eigenproduktionen verlangen eine gewisse Einfindungszeit für den Nutzer, da viele Bedienkonzepte neu sind. Der Vorteil von Android Automotive liegt darin, dass die Nutzer bereits an die Bedienkonzepte gewohnt sind. Die Durchschnittlich tägliche Nutzung des Smartphones beträgt laut verschiedenen Studien 2 bis 3 Stunden pro Tag. Somit sind die potentiellen Nutzerinnen  und Nutzer des neuen Betriebssystems bereits an die Handhabung des Systems gewohnt und müssen sich nicht mehr an etwas Neues gewöhnen. 

Neben der intuitiven Bedienung, ist auch die Sprachbedienbarkeit von Android Automotive, aufgrund der jahrelangen Erfahrung in diesem Gebiet, den Systemen von BMW und Mercedes überlegen.

Mit Android Automotive erhält auch der Google Play Store einen dauerhaften Einzug ins Fahrzeug. Mit dem Play Store können diverse Apps heruntergeladen und benutzt werden. Hierbei ist zu erwähnen, dass nicht alle Apps auf dem Play Store im Fahrzeug zur Verfügung stehen. Die Apps müssen spezielle Richtlinien von Google erfüllen, damit die Ablenkung des Fahrers nicht zu groß ist. Einige Apps stehen demnach nur zur Verfügung, wenn das Auto geparkt ist. 

Was bedeutet der Einzug von Google ins Cockpit für die Branche?
Der Einstieg von Android Automotive war initial etwas holprig, da die Plattform zum Funktionieren auf die Fahrzeugdaten zugreifen muss. Diese Nutzerdaten können dazu verwendet werden Produkte oder Dienstleistungen anzupassen. Somit stellen diese Daten für die Fahrzeughersteller ein kostbares Gut dar, welchem man sich nicht so einfach entledigen möchte. 

Der Einzug von Google ins Fahrzeug und die somit stetig steigende Digitalisierung im Auto kann auch als Vorbote eines Machtwechsels gesehen werden. Zurzeit ist Google lediglich der Softwarelieferant, welcher einen zusätzlichen Service im Fahrzeug anbietet. Doch mit voranschreitender Technik, wird immer mehr Software ins Fahrzeug integriert werden. Somit könnten sich die Softwarefunktionen von einem Zusatzfeature zum Hauptbestandteil eines Fahrzeuges entwickeln. Aufgrund dessen könnte es passieren, dass die Fahrzeughersteller in ferner Zukunft zu den Hardwarezulieferern für Google werden. 

Doch davon lies sich Polestar nicht abschrecken und brachte bereits Ende 2020 mit dem Polestar 2 das erste Serienfahrzeug auf den Markt, welches vollständig auf Android Automotive umgestellt hat. 

Da Google viel Erfahrung in Sachen intuitive Benutzeroberfläche mitbringt und die kompletten Entwicklungskosten der Systemsoftware trägt, haben sich auch andere Fahrzeughersteller dazu entschieden ihr System auf Android Automotive umzustellen. Zudem sind viele Menschen bereits an das Bedienkonzept von ihrem Smartphone gewohnt. 

Folgende Hersteller haben ihr Betriebssystem bereits umgestellt oder werden es zukünftig verwenden:

  • Ford
  • General Motors
  • Renault
  • Mitsubishi
  • Nissan
  • Volkswagen
  • Volvo

Wenn zukünftig mehr Serienfahrzeuge mit diesem Betriebssystem ausgestattet werden und auch mehr Apps für Android Automotive auf den Markt kommen, könnte es für die betriebseigenen Systeme anderer Hersteller wie BMW Connect oder Mercedes MBUX schwer werden sich durchzusetzen.