In-Car Health Features: Der neue Standard für das Auto der Zukunft?

07.02.2022 11:48 Von Lukas

Jacob Viertel

In unseren letzten Beiträgen zu ADAS haben wir uns intensiv mit dem Auto der Zukunft beschäftigt und erklärt, wie moderne Fahrassistenzsysteme den Fahrer unterstützen können. In diesem Beitrag werfen wir einen genauen Blick ins Fahrzeuginnere und zeigen euch wie In-Car Health Features zukünftig das Autofahren noch sicherer machen. 

Was sind In-Car Health Features?

Der Begriff In-Car Health Features beschreibt verschiedene Fahrerüberwachungssysteme, welche die Gesundheit und das Wohlbefinden des Fahrers während der Fahrt, als auch nach Unfällen, überwachen. Diese neue Sicherheitsfunktion kann über Sensoren und Kameras im Fahrerraum Müdigkeit oder gesundheitliche Beeinträchtigung beim Fahrer erkennen und unterstützende Maßnahmen einleiten. Diverse Automobilhersteller bieten diese neue Technologie in Neuwagen an, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Insassen optimal zu schützen. 

Jeder zehnte Unfall passiert wegen gesundheitlicher Probleme des Fahrers.
Beim Autokauf stehen bisher Features wie High-End Entertainment oder die Leistung des Motors im Vordergrund. Bislang sind sogenannte In-Car-Health Features selten der ausschlaggebende Grund für eine Kaufentscheidung. Daher werden diese Features bislang auch seltener beworben. Doch in den letzten Jahren hat sich die Technik beachtlich weiterentwickelt, was vielleicht dazu führen wird, dass Hersteller zukünftig mit solchen Features neue Kunden erreichen werden. Und diese Entwicklung ist auch sinnvoll, wenn man den Ergebnissen der australischen Studie mit dem Namen „Medical conditions as a contributing factor in crash causation“ begutachtet. Die Forscher der Studie kommen zu dem Schluss, dass 13% der Unfälle mit Verletzen und Toten auf gesundheitliche Probleme des Fahrers zurückzuführen sind. Mit den In-Car-Health Features können diese gesundheitlichen Probleme frühzeitig erkannt und durch das Einleiten von entsprechenden Gegenmaßnahmen Unfälle verhindert werden.
Wie funktionieren die In-Car Health Features? 
 In unseren ADAS Beiträgen haben wir bereits von Sensoren wie 3D Kameras und LIDARS gesprochen, die die Fahrzeug-Umgebung beobachten. Diese Technik wird im Zusammenspiel mit einer Bildauswertungssoftware bei der Fahrerüberwachung im Fahrzeuginnenraum genutzt. Hierbei kann zum Beispiel durch den Einsatz von Kameras im Fahrerraum die Augenbewegung der Fahrzeuginsassen beobacht werden. Somit kann der aktuelle Fokus des Fahrers ermittelt werden. Im Zusammenspiel mit Fahrassistenzsystemen kann der Fahrer so optimal unterstützt werden. Das System überwacht dann beispielweise tote Winkel oder die Teile der Straße, die der Fahrer gerade nicht im Blick hat. Toyotas LQ Concept Car, erweitert die Beobachtung der Fahrzeuginsassen und interpretiert zusätzlich deren Gesichtsausdrücke. Somit kann frühzeitig erkannt werden, ob sich der Fahrer in gefährlichen bzw. unstabilen geistigen oder körperlichen Zuständen befindet. So erkennt das System frühzeitig Anzeichen von Müdigkeit oder Aggression beim Fahren. Sobald solch ein Zustand erkannt wird, kann das Fahrzeug mit angemessenen Gegenmaßnahmen versuchen den Fahrer wieder in einen sicheren Zustand zu bringen. Bei Müdigkeit wird dem Fahrer beispielweise Luft ins Gesicht geblasen. Beim Anzeichen von Stress oder Aggression im Straßenverkehr kann zudem mit einem geeignetem Lichtambiente Abhilfe geschaffen werden. 
Das können die In-Car-Health Features: Messung der Luftqualität, des Herzschlags und der Atmung.
Auch nicht bildgestütze In-Car-Health Features finden sich bereits in heutigen Fahrzeugen wieder. Ein sogenannter Impulse-Radio Ultra-Breitband Radar Sensor kann den Herzschlag und die Atmung des Fahrers messen. Damit ist es möglich zu erkennen, ob der Fahrer müde ist, sich gerade aufregt oder sogar einen Herzstilstand hat. Ein weiterer druckempfindlicher Sensor am Lenkrad kann messen, wie stark der Fahrer das Lenkrad greift. Mit dem Greifdruck und der Atmung des Fahrers in Kombination kann das System mit einer hohen Wahrscheinlichkeit feststellen, ob der Fahrer wohl auf ist und demensprechend reagieren.

Ein weiteres Feature betrifft zum Beispiel die Reinheit der Fahrzeuginnenraumluft. Hierbei setzten mache Hersteller bereits heute darauf mit zertifizierten Luftreinigungssystemen den Innenraum bakterien- und virenfrei zu halten. Doch es wird nicht nur versucht die Luft im Innenraum reinzuhalten. Auch die Touch-Flächen des Infotainmentsystems oder anderer Bedienelemente werden mittels neuer Features keimfrei gehalten. So werden bereits heute in manchen Fahrzeugen von Jaguar Land Rover die Bedienoberflächen mit Ultraviolett Licht bestrahlt, was Keime und Bakterien absterben lässt.

Ein besonderes Feature befindet sich nicht vor dem Fahrer, sondern unter ihm. Ford hat ein Elektrokardiographie-Gerät in den Sitz eingebaut, welches den Herzschlag des Fahrers misst. Hierbei werden die elektrischen Ströme des Körpers mit sechs kapazitiven Platten gemessen und analysiert. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten bei den Strom-Messungen, kann das Fahrzeug dementsprechend reagieren.