Unser Kooperationspartner: Die Rennschmiede Pforzheim im Interview

12.08.2022 11:05 Von Lukas

Philipp Burk

Die Rennschmiede Pforzheim ist seit 2019 einer unserer engsten Kooperationspartner. Seitdem unterstützen wir die Rennschmiede als Technologiepartner und machen die Kooperation bei gemeinsamen Veranstaltungen erlebbar. Viele der Studentinnen und Studenten der Rennschmiede  sind heute als Praktikant, Werkstudent oder als festes Teammitglied bei SPARKS. Nicht nur deswegen sind wir sehr stolz auf die Zusammenarbeit.
Foto: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SPARKS und der Rennschmiede Pforzheim gemeinsam am Hockenheimring.
Die Rennschmiede wurde im Jahr 2009 von Studierenden aus den verschiedensten Studiengängen der Hochschule Pforzheim gegründet. Seitdem entwerfen, konstruieren und bauen die knapp 80 Studentinnen und Studenten der Rennschmiede Rennwagen in Eigenregie und nehmen damit jährlich an den Formula Students Wettbewerben teil, um sich bei Rennen gegen andere Studenten aus ganz Deutschland zu messen. Das Ziel der Rennschmiede ist es, den Studentinnen und Studenten die Möglichkeit zu geben, ihre unternehmerischen Fähigkeiten zu trainieren und zu lernen, wie man ein Auto von Grund auf baut.

Der Höhepunkt der Kooperation und zugleich eines der größten Events der Rennschmiede ist das jährliche Rollout, bei dem der neue Rennwagen enthüllt und vorgestellt wird. Seit der Saison 2019/20 werden neue Weg bestritten und erstmalig Elektro-Rennwagen ins Rennen geschickt.
Dieses Jahr haben die Jungs und Mädels der Rennschmiede ihren neuesten Elektro-Rennwagen vorgestellt. Im Interview erklären sie uns alles, was dieser neue Elektro-Rennwagen zu bieten hat, was die Schwierigkeiten beim Bau waren und was man braucht, um erfolgreich bei der Rennschmiede mitmachen zu können.
Hallo, stell dich doch bitte kurz vor. Was machst du bei der Rennschmiede?
Simon: Hallo, mein Name ist Simon Griesau. Ich bin 25 Jahre alt und studiere Maschinenbau und Produktentwicklung im achten Semester. Ich bin der technische Leiter für Mechanik bei der Rennschmiede Pforzheim.
Wie kam es zu der Idee für die Rennschmiede?
Simon: Die Idee zur Rennschmiede stammt von einer Gruppe von Studenten, die an der Formula Student teilnehmen wollten. Inspiriert wurden sie von der Faszination von Autos und dem Motorsport.
Sie wandten sich an den damaligen Rektor der Universität und fragten ihn, ob sie einen Rennwagen bauen dürften. Er stimmte zu. Das war dann die Geburtsstunde der Rennschmiede.
Dieser Spirit der ersten Stunde lebt bis heute: Studenten werden ermutigt, zusammenzuarbeiten und ihre Ideen in die Praxis umzusetzen, nachdem sie in der Universität die theoretischen Grundlagen erlernt haben.
Welche Eigenschaften und Fähigkeiten benötigt man, um bei euch mitzumachen?
Simon: Meiner Meinung nach sind die wichtigsten Eigenschaften, die eine Person mitbringen muss
Engagement und den Willen an der Lösung von Problemen zu arbeiten. Wir suchen Menschen, die bereit sind, zu lernen und neue Dinge auszuprobieren. Natürlich ist ein grundlegendes Verständnis zu gewissen Themen hilfreich, aber im Vordergrund steht für uns, dass Studierende einfach nur neugierig sind. Den Rest kann man fachlich auch nachholen. Ich glaube dabei fest an die Kraft der Zusammenarbeit.
Was aber nie schaden kann ist eine gewisse Resistenz gegen Schlafmangel, das kann im Laufe einer Saison schon öfters mal vorkommen.
Können auch Studierende bei euch mitmachen, die kein technisches Vorwissen haben oder nicht an der technischen Fakultät studieren?
Simon: Bei uns ist für jeden etwas dabei. Wir haben ein interdisziplinäres Team von 80 Pforzheimer Master- und Bachelorstudenten aus allen drei Fakultäten, die gemeinsam an Problemlösungen arbeiten.
Was ist das schönste Erlebnis in einer Saison?
Simon: Puh, da gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Ich denke, die größten Highlights sind der Rollout, die Jungfernfahrt und die Events im Sommer. Was auch ein großes Highlight ist, ist die Entwicklung der Neulinge in der Saison zu sehen, die sich zu unverzichtbaren Teammitgliedern entwickeln und sich gut in das Team integrieren.
Was sind für dich persönlich die größten Meilensteine oder die besten Erinnerungen an deine Zeit bei der Rennschmiede?
Simon: Ich bin jetzt schon eine Weile bei der Rennschmiede dabei und ich kann sagen, dass es eine tolle Erfahrung war. Ich hatte so viel Spaß und habe so viel gelernt.
Das größte Highlight für mich war das Endurance mit dem RSP19 Emerald. Die Fahrer absolvieren 22 km auf einem Rundkurs, wobei nach 11 km ein Fahrerwechsel stattfindet. Bei dem Rennen werden sowohl die Zeiten als auch die Energieeffizienz gemessen und gewertet. Wir sind das Endurance 2019 komplett durchgefahren und haben es erfolgreich beendet! Darauf sind wir sehr stolz!
Da du gerade den RSP19 ansprichst, soweit ich weiß, war das euer letzter Verbrenner. Seitdem setzt ihr voll auf Elektromobilität. Was war 2020 die Motivation für euern Rennwagen mit Elektromotor?
Simon: Das stimmt. Der RSP19 war der letzte Verbrenner der unsere Werkstatt verlassen hat. Wir haben uns gefragt, wie wir einen Beitrag zur E-Mobilität der Zukunft leisten können. Außerdem erhöhen wir unsere Attraktivität für neue Sponsoren, wenn wir im Bereich der E-Mobilität arbeiten. Der Trend geht eindeutig in diese Richtung. Wir wollen auch den Teammitgliedern die Möglichkeit geben, in diesem Bereich zu arbeiten, um sie besser auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten. Die Entscheidung hat sich auch als richtig erwiesen, da die Formula Student mittlerweile beschlossen hat den Wettbewerb mit Verbrennungsmotoren auslaufen zu lassen.
Welche neuen Herausforderungen bringt die Fertigung eines Rennwagens mit Elektromotor im Vergleich zum Verbrennungsantrieb?
Simon: Eine Herausforderung war die Batteriefrage. Konkret ging es um die Auswahl eines geeigneten Batteriemanagementsystems, die richtigen Batteriezellen, die mechanische Konstruktion des Batteriekastens und die Auslegung eines Temperaturkontrollsystems.
In Bezug auf die Sicherheitsaspekte gab es viel zu beachten. Wir mussten sicherstellen, dass jede Komponente in allen Situationen und unter allen Umständen, bei allen in der Praxis auftretenden Belastungen und Geschwindigkeiten und unter verschiedenen Bedingungen wie vorgesehen funktioniert.
Es gab aber auch einige Prozesse, die vereinfacht werden konnten: So war z. B. ein Handschaltgetriebe nicht mehr notwendig. Durch den Elektromotor wird ein Getriebe bei dem die Gänge gewechselt werden nicht mehr benötigt.
Erzähl uns was über das neue Fahrzeug, welches ihr an eurem Rollout 2022 vorgestellt habt. Wie heißt es? Wie schwer ist das Fahrzeug und wieviel PS hat es?
Simon: Das neue Fahrzeug heißt RSP22 Amber (zu Deutsch Bernstein). Seit 2017 benennen wir unsere Fahrzeuge nach Edelsteinen, in Anlehnung an die Schmuck- und Goldstadt Pforzheim. Nach unserem ersten Elektro-Rennwagen Sapphire, ist Amber nun der Zweite. Der Wagen wiegt 230 Kg und hat eine Leistung von 5,17 kW pro Motor.
Welche Herausforderungen erwartet ihr auf den Events mit dem E-Auto?
Simon: Als Team sind wir sehr gespannt darauf, was die neue Saison bringen wird. Ich denke, dass die Kontrolle der Batterie auch in diesem Jahr wieder die größte Herausforderung für uns sein wird. Aber wir haben das Feedback vom letzten Jahr mit in diese Saison genommen und daraus gelernt. Deshalb gehen wir in diesem Jahr mit sehr hohen Erwartungen in die Veranstaltungen.
Was ist rückblickend einfacher für euch umzusetzen, E-Antrieb oder Verbrenner?
Simon: Es ist schwer zu sagen. Wir hatten mit beiden Antrieben zu unterschiedlichen Zeiten Probleme, die wir aber bewältigen konnten. Beide Antriebe haben unterschiedliche Herausforderungen. Ich denke, es ist schwieriger, den E-Antrieb zum Laufen zu bringen, wohingegen es gleichzeitig mindestens genau so kompliziert ist den Verbrennungsmotor zuverlässig zu betreiben.
Abschließende Frage: Was sind eure Ziele für die nächsten Events?
Simon: Unsere Ziele für die nächsten Events sind sehr ambitioniert. Wir wollen auf der Formula Student Germany das obere Drittel erreichen. Bis dahin gibt es noch einige Herausforderungen, doch wir haben ein ambitioniertes Team, das bereit ist dafür alles zu geben.
Vielen Dank Simon für das tolle Interview!